Artenschutzrechtliche Aspekte des Vogelkaufs

Allgemeines

Da auch in Fachkreisen Uneinigkeit herrscht, werden hier einige Punkte erläutert, z.B.:

  • Was gilt als Herkunftsnachweis? Cities-Bescheinigung und/ oder EG Bescheinigung Nr. 224?
  • Muss die gesamte Herkunftskette lückenlos sein?
  • Was wird anerkannt?
  • Was muss diese Bescheinigung enthalten?

Problematik

Alle Papageienarten unterliegen dem Artenschutz, außer:

  • Wellensittich (Melopsittacus undulatus)
  • Nymphensittich (Nymphicus hollandicus)
  • Halsbandsittich (Psittacula krameri)

Lediglich der Halsbandsittich ist im Anhang III des WA geführt. Die anderen Papageienarten werden in Anhang A (streng geschützt) oder B (besonders geschützt) der Europäischen Artenschutzverordnung geführt.

Diese Verordnung setzt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA bzw. CITES), also das übergeordnete internationale Recht, in europäisches Recht um und wird alle zwei Jahre in der CITES-Konferenz aktualisiert.

Vermarktungsverbot Besitzverbot

leitet sich aus Artikel 8 der EG VO 338/ 97 (zuletzt geändert durch die EG VO 1497/ 2003)

§ 42 (2) Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG).

Bezieht sich auf den Anhang A und B

Gemäß § 49 hat der Besitzer der zuständigen Behörde auf Verlangen die rechtmäßige Herkunft zu beweisen.

Artikel 8 (5) EG VO: „Die in Absatz 1 genannten Verbote gelten auch für Exemplare des Anhang B, es sei denn der zuständigen Behörde des Mitgliedstaats kann nachgewiesen werden, dass diese Exemplare gemäß den Rechtsvorschriften über die Erhaltung der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten erworben und, falls sie von außerhalb der Gemeinschaft stammen, in die eingeführt wurden.“

Wer lebende Tiere oder Pflanzen der besonders geschützten Arten besitzt oder die tatsächliche Gewalt darüber ausübt, kann sich gegenüber den nach Landesrecht zuständigen Behörden auf eine Berechtigung nachweist oder nachweist, dass er oder ein Dritter die Tiere oder Pflanzen vor ihrer Aufnahme in eine Rechtsverordnung nach § 52 (4) in Besitz hatte.

Das heißt: Umkehr der Beweislast. Sowohl die besonders als auch die streng geschützten Arten dürfen gehalten werden, wenn sie bestimmte Vorraussetzungen erfüllen, wie z.B. ein legaler Import oder eine Nachzucht. Der Besitzer hat jedoch einen Nachweis zu erbringen, was im die Haltung legitimiert. Gerade beim Erwerb ist große Sorgfalt geboten.

Kennzeichnung

Egal wie Sie den Vogel erwerben (Züchter, Fachhandel oder Privatverkauf), wichtig ist, dass er gekennzeichnet ist. In der Regel erfolgt diese Kennzeichnung durch einen Ring am Fuß, aber alternativ ist es auch möglich, ihm einen Transponder (Mikrochip) einzupflanzen.

Erwerben Sie den Vogel ohne eine Kennzeichnung, dann laufen Sie Gefahr, dass er bei einer Kontrolle durch die Behörden das Tier beschlagnahmt wird. Die legale Herkunft dann zu beweisen, wird schwierig.

Bei den Ringen gibt es unterschiedene:

  • Geschlossene
  • Offene
  • Spezielle Artenschutzringe (ebenfalls geschlossen und offene)

Anhand des Ringes lässt sich erkennen, woher der Vogel stammt. Vor Jahrzehnten diente dies der Seuchenvorbeugung, gerade wegen der Psittakose, die damals auch zum Tode führte. Heute kann diese Krankheit mit Antibiotika behandelt werden.

Artenschutzringe/ Transponder sind seit dem 01.01.2001 für gezüchtete Papageien Pflicht, die in Anlage 6 der Bundesartenschutzverordnung (BartSchV) gelistet sind. Darin ist enthalten: Ringgröße, Landeskürzel, Jahrgang und laufende Nummer. Dort sind alle Arten aus dem Anhang A und diverse aus dem Anhang B gelistet. Das EU-Recht sieht eine geschlossene Beringung für Arten des Anhang A vor.

Artenschutzringe und Transponder die vor dem 01.01.2001 verwendet wurden, werden im Allgemeinen anerkannt.

Besitzdokument

Wer einen Papagei erwirbt, braucht ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass er der rechtmäßige Besitzer ist. Dies dient allein dem Zivilrecht, artenschutzrechtlich nicht von Interesse.

Solche ein Dokument kann wie folgt aussehen:

  • Lieferschein
  • Rechnung
  • Quittung vom Züchter

Wichtig hierbei, dass Kennzeichen vom Vogel muss vermerkt sein, damit seine Identität zweifelsfrei feststeht.

Ist eine Beringung nicht möglich, z.B. aus gesundheitlichen Gründen, dann muss eine andere Kennzeichnung durch die Behörden genehmigt werden. Die Kopie unbedingt aufheben!

Genauso bei anderen die einen Chip erhalten, wenn der Vogel weniger als 200g wiegt kann er keinen erhalten, so muss auch diese andere Kennzeichnung vorher beantragt werden.

EG-Bescheinigung Nr. 224

Arten im Anhang A dürfen nur dann verkauf werden, wenn eine Befreiung vom Vermarktungsverbot vorliegt. Diese wäre mit der EG-Bescheinigung Nr. 224 gegeben. Sie gilt seit 1997 in der gesamten EU. Die CITES-Bescheinigung reicht nicht, sie enthält keine Vermarktungsgenehmigung. Das heißt, sie müssen eine EG-Bescheinigung Nr. 224 beantragen, wenn Sie einen Anhang A geschützten Vogel veräußern wollen.

Sehen Sie von einem Kauf ab, wenn Sie z.B. einen Hellroten Ara (Ara macao), erwerben und der Verkäufer kein solches Dokument besitzt bzw. nicht aushändigen will. Der Käufer macht sich dann auch strafbar. Sie übrigens auch, wenn es zu einem Kauf kommt.

Herkunftsnachweis

Für den Verkauf und Besitz aller besonders und streng geschützten Arten ist zudem der Nachweis ihrer rechtmäßigen Herkunft erforderlich.

Abgeleitet durch Artikel 8 EGVO 338/ 97 und § 49 Bundesnaturschutzgesetz (Nachweispflicht und Einziehung).

Hier gehen die Meinungen auseinander:

  • Aus diesem Nachweis soll der lückenlose Nachweis hervorgehen, dass heißt auch alle eventuellen Zwischenstationen des Vogels.

  • Andere sind der Meinung, dass nur die Herkunft entscheidend ist, alle anderen Halter wären irrelevant.

Letztere macht eher Sinn, denn wenn ein Halter einen geschlossen beringten Graupapagei (der mehrere Vorbesitzer hatte) erworben hatte, dessen Herkunft aber durch den Ring feststeht, nicht mit den Behörden ärger bekommt, weil Halter Nummer 3 nicht ermittelt werden konnte. Halter Nummer 2 und Nummer 4 könnten Ärger bekommen, da sie wissen müsste, an wen das Tier abgegeben wurde, bzw. von wem sie es übernommen hatten.

Sie sind aber auf der sicheren Seite, wenn Sie alle Vorbesitzer nachweisen können!

Daher kommen in Betracht:

  • CITES-Bescheinigung
  • EG-Bescheinigung Nr. 224
  • Zuchtbeleg, aus dem die relevanten Daten vom Vogel hervorgehen
  • Importbescheinigung, wenn das Kennzeichen vom Vogel hervorgeht
  • Quittungen der Vorbesitzer

Für die 43 Arten im Anhang 5 der Bundesartenschutzverordnung wird kein Herkunftsnachweis gefordert. Sie werden so oft gezüchtet (überwiegend australische Papageien), dass hier darauf verzichtet wird.

Wiederum handelt es sich hierbei um besonders geschützte Arten und zur eigenen Sicherheit sollte trotzdem ein Herkunftsnachweis vorhanden sein.

Auf diesem Gebiet herrscht leider noch Rechtsunsicherheit, was den Herkunftsnachweis in Form eines Zuchtbelegs angeht, der für die Arten im Anhang 5 relevant ist. Der Käufer ist zwar diese Bescheinigung verlangen, der Verkäufer aber nicht, diese für einen beringten (geschlossen) Vogel auszustellen.

Bei offenen Ringen allerdings schon, da damit belegt wird, dass der Papagei aus einer Zucht stammt.

Ihnen als Erwerber bleibt dann nur noch die Möglichkeit, vom Kauf zurückzutreten.

Beispiele

  1. Kuba-Amazone (Amazona leucocephala)

· CITES A (strong geschützt)

· EG-Bescheinigung Nr. 224

· Geschlossener Artenschutzring

· Kaufbeleg (zivilrechtlich)

· Quittungen der Vorbesitzer

  1. Gelbbrustara (Ara ararauna)

· CITES B – Anlage 6 BArtSchV

· Geschlossener Artenschutzring

· Bei alternativer Kennzeichnung nach dem 01.01.2001 Kopien der entsprechenden Bescheinigungen

· Zuchtbeleg

· Kaufbeleg (zivilrechtlich)

· Quittungen der Vorbesitzer

  1. Mohrenkopfppagei (Poicephalus senegalus)

· CITES B – nicht in den Anlagen 5 oder 6 BArtSchV

· Normaler geschlossener oder offener Ring

· Zuchtbeleg

· Kaufbeleg

· Quittungen der Vorbesitzer

  1. Stanleysittich (Platycercus icterotis)

· CITES B – Anlage 5 BartSchV (keine Meldepflicht)

· Normaler geschlossener oder offener Ring

· Zuchtbeleg (emphelenswert)

· Quittungen und Kaufbelege der Vorbesitzer