Handaufzuchten

Einleitung

Vorab möchte ich Ihnen sagen, dass dieser Bericht keine Anleitung für eine Handaufzucht liefert. Ich gehe hier nur auf Probleme, Folgen und tierschutzrechtliche Aspekte ein.

Eigentlich waren Handaufzuchten in der Vergangenheit nur im Notfall gedacht. Streng hüteten Züchter ihr Rezept für den Babybrei und waren stolz auf ihre Leistung, wenn eine Handaufzucht gelungen war.

Die Käufer solcher Aufzuchten erlangten somit ein bereits mit dem Menschen vertrautes Tier. Sie integrierten sich schnell ins Familienleben.

Heutzutage wünschen sich viele Käufer einen bereits zutraulichen Vogel und somit steigt die Nachfrage an Handaufzuchten. Doch Vorsicht, nicht jeder handaufgezogene Papagei lässt sich problemlos halten.

Problematik

Wenn der Käufer sich nach einem zahmen, pflegeleichten und eventuell sprechenden Vogel sehnt, liegt bei Züchtern eher der finanzielle Aspekt im Vordergrund. Durch die Industrie, welche entsprechende Literatur und Futtermittel zur Verfügung stellt, wird dieser Schritt auch leicht(er) gemacht. Die Arbeit ist aber aufwendig und kostenintensiv. Damit die Handaufzucht gelingt, ist einige Vorarbeit von Nöten.

In Amerika wird eine „Papageienproduktion“ betrieben, die nicht artgerecht ist. Unter laborähnlichen Verhältnissen werden die Eier entnommen, die Küken gehalten und gefüttert. Die Fütterung erfolgt mit einer Kropfsonde. Oft werden auch Jungvögel abgegeben, die noch nicht futterfest sind.

Studien haben ergaben, dass diese Tiere anfällig für Krankheiten sind und die Lebenserwartung niedriger ist, als wie von Artgenossen, die auf natürliche Weise aufgezogen wurden. Außerdem stellen sie sehr hohe Ansprüche an ihren Halter, der diese oftmals nicht erfüllen kann.

Ist das artgerecht? Möchten Sie so einen Vogel?

Praxis

Damit der Jungvogel nicht total vom Menschen abhängig ist, darf er nicht zu früh von den Eltern getrennt werden und der Züchter sollte sich nicht um mehrere Tiere kümmern.

Die Zuwendung sollte allmählich reduziert werden und sollte erst abgegeben werden, wenn er selbstständig und sozialisiert ist, dass heißt, er kann mit Artgenossen umgehen.

Bei Fehlprägungen ist oft die Folge, dass die Tiere zum Rupfen neigen.

Zukünftige Papageienhalter sollten sich schon vor der Anschaffung intensiv mit dem Thema beschäftigen und sich Literatur besorgen.

Zum Beispiel das Buch von Rosemarie Low: Papageien sind einfach anderes.

Tipp

Es hat sich bewährt, erst ein Jungtier zu erwerben, sich mit ihm ausgiebig zu beschäftigen und vielleicht nach einem Jahr einen Partner dazu zu gesellen. Das ergibt interessante Lernprozesse und eine ausgewogene Abhängigkeit. Möglich wären dann auch unterschiedliche Arten, z.B. Graupapagei mit Wellensittich oder andere Konstellationen. So soll auch ein Kater gelitten haben, als sein Kumpel der Wellensittich verstarb.

Zur Haltung eignen sich Schwarzohrpapageien (Pionus menstruus), sie sind pflegeleichter als Amazonen und Graupapageien, neugierig, schonen eher die Möbel, lieben neues Spielzeug und sind für Anfänger eher geeignet.

Wann sollte eine Handaufzucht erfolgen?

  • Elterntiere weisen das Küken ab
  • Elterntiere sind nicht in der Lage, das Küken aufzuziehen

Quelle: WP-Magazin Mai/ Juni 2004