Wellensittiche entstehen

Jeder Wellensittich Halter hat sich bestimmt schon einmal gefragt, wie entstehen eigentlich junge Wellensittiche und wie läuft die Paarung, Brut & Zucht ab. Bevor Sie aber den ersten Nistkasten aufhängen, müssen Sie eine Zuchtgenehmigung und Fußringe besitzen. Hier sei aber nur erwähnt, dass sich dieser Artikel auf die „Hansi-Bubi-Zucht“ bezieht, also auf Wellensittiche, die nicht auf ein bestimmtes Erscheinungsbild (Standart) hin gezüchtet werden. Diese Bruten sind westlich einfacher und erfolgreicher, als wie die „Hochzucht-Wellensittiche“.

Der Nistkasten

An ihren Nistkasten stellt die Wellensittichdame keine großen Ansprüche. Er sollte aber folgende Grundmaße vorweisen. Er ist 25 cm lang, 15 cm hoch und 15 cm tief und der Durchmesser vom Einflugsloch beträgt 4,5 cm. Der Innenraum sollte mit 3 – 4 cm hohen Lage Sägemehl (unbehandelt) ausgefüllt werden. Der Nistkasten kann waagerecht oder senkrecht angebracht werden. Das Sägemehl wird ganz oder auch nur teilweise verwendet. Eine Beschäftigung, die den Bruttrieb anregt. Sollte das gesamte Sägemehl entfernt werden, ist eine Nistmulde von großen Vorteil, damit die Eier beim bebrüten nicht wegrutschen.

Am besten ist es, den Kasten von außen anzubringen, so sind jederzeit Nestkontrollen möglich, ohne die Wellensittiche im Käfig zu stören. Dazu habe ich Löscher in den Nistkasten gebohrt und Kabelbinder durchgezogen und mit den Gitterstäben verbunden.

Am besten ist es, den Kasten von außen anzubringen, so sind jederzeit Nestkontrollen möglich, ohne die Wellensittiche im Käfig zu stören. Dazu habe ich Löscher in den Nistkasten gebohrt und Kabelbinder durchgezogen und mit den Gitterstäben verbunden.

Haben Sie die Absicht mehrere Wellensittiche brüten zu lassen, so sollten Sie mehrere Nistkästen aufhängen, um Streitereien zwischen den einzelnen Parteien zu verhindern.

Paarbindung & Balz

In der Regel haben sich schon vor der Zucht die Paare gefunden und den Bund der Ehe eingegangen. Bei mehreren Wellensittichen klappt dies besonders gut, da die Auswahl an Partnern größer ist. Denn auch wie bei den Menschen spielt Sympathie und Antisympathie eine große Rolle.

Sobald aber dann Nistmöglichkeiten vorhanden sind, beginnen die beiden mit der Balz, dass heißt, sie hüpfen aufgeregt auf der Stange, schnäbeln regelmäßig und das Männchen füttert das Weibchen. In der Folge Zeit sucht sich das Weibchen eine passende Nistmöglichkeit und inspiziert alle Möglichkeiten. Hat es sich entschieden und ist Paarungsbereit, leitet es die Kopulation ein, dabei duckt sich das Weibchen und das Männchen steigt auf. Beide reiben ihre Kloaken aneinander, so dass das Weibchen befruchtet wird. Ein Akt der viel Geschicklichkeit und Balance verlangt. Nun kann man immer öfter beobachten, wie sich das Weibchen in ihrer Nisthöhle aufhält. Oftmals nagt es auch am Holz, um einige Schönheitsveränderungen vorzunehmen.

Eiablage

Im Normalfall legt das Weibchen nach ca. zwei Wochen nach der Balz das erste Ei. Im Abstand von zwei Tagen folgen die weiteren Eier. In der Regel zwischen vier und sechs Eier, welche übrigens in den Nachmittagsstunden gelegt werden. Es können aber auch mal durchaus acht Eier werden. Von dem ersten Ei an brütet das Weibchen. Das Männchen sitzt die meiste Zeit außerhalb des Nistkastens und füttert das fleißige Weibchen mit ausgewürgtem Futter. Sollte mehrere Wellensittiche vorhanden sein, so bewacht dieser noch den Zugang zur Höhle samt Weibchen. Das Weibchen hingegen verlässt nur in Ausnahmefällen die Nisthöhle, meist nur zur Kotablage. Nicht erschrecken, wenn die Häufchen ungewöhnlich groß erscheinen, dies liegt daran, dass das Weibchen nicht allzu oft Kot ablegt, wie sie es normalerweise tun würde.

Der Ruf aus dem Ei

Nach ca. 18 Tagen schlüpfen die Jungen aus ihren Eiern. Den Ruf aus dem Ei kann man aber meist schon einen Tag vorher hören.

Versorgung

Während der Brut braucht sich der Halter kaum um seine Wellensittiche zu kümmern, abgesehen natürlich von einer optimalen Fütterung und den täglichen Nestkontrollen. Die Ernährung sollte Eiweiß-, Mineral- und Vitaminhaltiger sein als normal. Im Handel gibt es spezielles Zuchtfutter, dieses sollte schon vorher gereicht werden, damit sich die Elterntiere daran gewöhnen können. Der Nistkasten muss nicht zusätzlich befeuchtet werden. Es reicht aus, wenn Sie dem Pärchen eine Schale mit Wasser anbieten, in der sie baden können. Die Weibchen regulieren die Luftfeuchtigkeit im Nistkasten meist mit ihrem Gefieder.

Nestkontrollen

Um das Weibchen an die Nestkontrollen zu gewöhnen, sollte der Kasten einmal täglich geöffnet und das Weibchen samt Eier kontrolliert werden. Wenn Sie die Eier gegen das Licht halten, sind diese am Anfang rosig, nach einigen Tagen dunkler, wenn sie befruchtet wurden. An der Verfärbung ist das heranwachsen des Embryos zu erkennen. Die meisten Weibchen lassen die Kontrollen über sich ergehen und können sogar vorsichtig beiseite geschoben werden, um besser Kontrolle zu üben. Achten Sie aber darauf, dass sich anschließend alle Eier wieder in der Nistmulde befinden, da jene Eier, welche sich außerhalb der Mulde befinden, nicht vom Weibchen eingesammelt und bebrütet werden.

Sollten Sie Kot entdecken, welcher feucht bleibt und nicht kugelig wird , ist ein Entfernen dieser erforderlich. Trockener Kot kann im Nistkasten verbleiben, auch wenn dies nicht ganz so ansehnlich ist. Bei einer eventuellen Reinigung, können Sie das Weibchen mit den Jungtieren aus den Kasten nehmen den Kot entfernen. Anschließend setzen Sie alle Insassen wieder hinein. Solche Störungen nehmen die Alttiere normalerweise nicht übel, auch wenn diese durch lautes Geschrei ihren Unmut deutlich machen.

Wenn sich Kot an den Füßen der Jungen festgesetzt hat, muss dieser mit lauwarmen Wasser eingeweicht und vorsichtig entfernt werden.

Schlupfhilfe

Da das Weibchen ab dem ersten Ei brüten, hat dies zur Folge, dass auch die Jungen im Legeabstand schlüpfen. Wissenschaftler konnten beobachten, wie die Weibchen den Jungtieren beim Schlüpfen halfen. Auslöser dafür waren vermutlich die vom Küken in die Schale, mittels Eizahn, geritzten Löcher, sowie die Bewegungen im Ei. Fehlte einer dieser Faktoren, wurde keine Hilfe gewährt.

In einem Test leistete ein Weibchen Schlupfhilfe, wo das Ei mit Löchern versehen wurde und ein Mehlwurm hineingelegt wurde. Der Wurm simulierte die Bewegungen im Ei.

In der Regel verläuft alles einwandfrei, sollte es aber doch zu Komplikationen kommen, so sollten unerfahrene Züchter die Finger davon lassen, selber Hilfe auszuüben. Die Verletzungsgefahr ist zu hoch. So hart das Leben auch sein mag, aber an dieses Problem sollten sich nur erfahrene Züchter trauen. Bei vielen Eingriffen schadet man eher dem Jungtier, den oftmals wird zu früh eingegriffen, wo sich das Küken noch selber hätte befreien können. Die frisch geschlüpften Wellensittiche sind zwar keine Schönheit, sind nackt und haben einen recht großen Kopf, an dessen Seiten sich die Augen als dunkle große Flecken unter der Haut erahnen lassen. Am Körper befinden sich nur wenige Federn, welche sich innerhalb von acht Tagen zu einem flauschigen Duhnenkleid (weiß bis hellgrau) entwickeln.

Aufzucht

Die Aufzucht der Jungen erfolgt durch die Elterntiere, welche das Futter in den Kröpfen Vorverdauen. Der dadurch entstehende Brei nennt man in Züchterkreisen auch „Vormagenmilch“. Die erfolgreiche Fütterung lässt sich an den gelblichen Futterbrei an der Kropfhaut der Jungen erkennen. Das Weibchen weiß genau, welches Jungtier wie viel Futter brauch. Ältere weniger als jüngere, somit ist gewährleistet, dass alle Jungtiere heranwachsen! Wenn das Weibchen das Männchen im Kasten duldet, hilft es bei der Fütterung, ansonsten schafft es unermüdlich Futter herbei und übergibt es an das Weibchen, welches die weitere Fütterung übernimmt.

In der Entwicklungsphase sind die Jungen von der Körpertemperatur des Weibchens angewiesen. Sollte mal das Weibchen nicht auf den Jungen sitzen, so bilden diese eine Schutzformation (sternförmig eng aneinander), um so am besten die vorhandene Wärme zu halten.

Entwicklung

Noch bevor das Duhnenkleid entwickelt ist, entwickeln sich die übrigen Federn, was mit der Ausbildung der Schwung- und Steuerfedern beginnt. Erkennen kann man dies an den leicht stacheligen wirkenden Federkielen. Nach ca. drei Wochen kann man erahnen, wie sich der Vogel weiter entwickeln wird. Ab diesen Zeitpunkt zeigen sich diese schon am Einflugsloch und erwarten bereits dort ihr Futter. Nach ca. ein bis zwei weiteren Wochen fliegen die ersten Jungtiere aus dem Kasten.

Der erste Flug kündigt sich schon vorher durch laut hörbares Training der Flugmuskulatur an. Haben Jungtiere den Nistkasten verlassen, kehren diese nur selten zurück. Sollten einige zu früh ausgeflogen sein, setzen sich diese meist auf den Käfigboden und werden auch dort noch weiterhin gefüttert. Ein Eingreifen ist nicht erforderlich. Wenn ihr Flug besser ausgebildet ist, fliegen diese von selber wieder los.

Bitte setzen Sie die Jungtiere nicht zurück in den Nistkasten oder auf eine Sitzstange, dies kann fatale Folgen haben. Warten Sie lieber ab! Zwei Wochen lang werden die Jungtiere vom Männchen weiter gefüttert. In dieser Zeit suchen aber diese schon selber nach Futter und erlernen schnell, wie sie sich eigenständig zu versorgen haben. Das Weibchen beginnt meist schon mit der nächsten Brut, auch wenn sich noch andere Jungtiere im Nistkasten befinden. Mehr als zwei Bruten sollte man aber nicht zulassen, da die Gesundheit vom Weibchen gefährdet werden würde. Außerdem sind Wellensittiche aus der dritten und vierten Brut meist nicht mehr so gesund und fit, wie die aus den ersten. Das liegt an den Eiern, die vom gestressten Weibchen nicht genug erforderliche Substanzen bekommen. Sollte das Weibchen also auf die Ideen kommen weiter zu brüten, entfernen sie den Nistkasten nach dem Ausfliegen des letzten Jungtieres und vernichten Sie die bis dahin gelegten Eier. Das klingt vielleicht „Radikal“, aber so ist die weitere Gesundheit ihrer Wellensittiche auf Dauer gewährleistet. Setzen Sie ab diesem Zeitpunkt auch das Aufzuchtsfutter ab, dadurch wird auch dann der Bruttrieb gemindert.

Haben die jungen Wellensittiche ein Alter von sechs Wochen erreicht, sind die meisten schon selbstständig und könnten von den Elterntieren getrennt werden. Haben sie ausreichend Platz, können diese auch bei den Eltern verbleiben, es sei denn, sie behindern die Brut.

Quelle: WP-Magazin